Die letzten ihres Standes

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Seltene Berufe im Salzburger Lungau

Die letzten ihres Standes

Fassbinder

Wozu noch mit der Hand weben, wenn ein computergesteuerter Webstuhl in der gleichen Zeit die tausendfache Menge produziert? Wer verwendet noch ein teures Holzschaff, wenn es billige Plastikeimer gibt? Die Industrialisierung ließ viele alte Handwerke verschwinden. In ländlichen Regionen wie dem Salzburger Lungau konnte sich aber so manches traditionelle Gewerbe bis heute halten: Handweber, Fassbinder, Sauschneider, Orgelbaumeister und Wagner.

Handgewebte Einzelstücke

Die Frage, warum Menschen ihre handgewebten Stoffe kaufen, wo es doch viel billigere Fabrikware gibt, stellt sich der Weberin Rosalinde Künstner nicht. Die Antwort liegt in den Produkten selbst, die eben keine Massenartikel sondern Einzelstücke sind. Jedes mit seinem besonderen Charakter und uralter Tradition im Hintergrund. Frau Künstner betreibt in vierter Generation die „Sauerfeld Handweberei“, die auf eine 600-jährige Geschichte zurückblicken kann.

1388 wurde ein Weber zu Sauerfeld erstmal urkundlich erwähnt. Ab 1875 ging Johann Pirkner als Weber von Hof zu Hof „auf Stör“, das heißt, er erhielt freie Kost und Logis, während er bei einem Bauern dessen Flachs zu Bauernleinen verarbeitete. 1883 konnte er ein Haus kaufen, 1919 übernahm Sohn Sebastian die Weberei. Er begann 1924 mit der Kunstweberei nach alten überlieferten Mustern.

Tochter Maria Pirkner führte den Betrieb ab 1953 mit fünf Webstühlen weiter und übergab ihn 1987 an ihre Nichte Rosalinde Künstner. Sie produziert exklusive Handwerkskunst, Vorhänge und Möbelstoffe, Bauernleinen und „Bauernraß“, ein Mischgewebe aus Wolle und Leinen. Sauerfelder Handweberei Pirkner, Rosalinde Künstner, Sauerfeld 78, 5580 Tamsweg, Tel.: +43(0)676-3703086

Der letzte Fassbinder im Land Salzburg

Der Fassbinder Engelbert Sampl aus Unternberg legte als Letzter im Land Salzburg die Meisterprüfung im Fassbinderhandwerk ab. Seine Vorfahren übten diesen Beruf seit Generationen aus. Bevor Großvater Engelbert Sampl 1938 am Dorfplatz in Unternberg eine Werkstatt baute, gingen die Fassbinder zu den Bauern auf Stör, wo sie Holzfässer für Wein, Most oder Sauerkraut und Schaffe (Bottiche) zum Waschen herstellten.

Als die Nachfrage immer mehr zurückging, verlegten sich die Sampls auf andere Produkte: zuerst landwirtschaftliche Holzsilos, später Souvenirs aus Holz und Elemente zur Gartengestaltung wie Hausbänke oder Gartenmöbel. Bis heute werden in der Fassbinderwerkstatt alle Fassbinderarbeiten auf Bestellung ausgeführt. Die Einzelanfertigung ist aufwändig und natürlich teurer als ein simpler Plastikbottich, doch es gibt immer noch Leute, die die handgefertigten Holzgefäße zu schätzen wissen.

Das zweite Standbein des Betriebes, den ab 1963 der Vater von Herrn Sampl führte (natürlich auch ein Engelbert) sind Zulieferungen an holzverarbeitende Betriebe, wie zum Beispiel Einzelteile für Holzspielzeug. Seit 1998 leitet Engelbert Sampl jun. die Werkstatt. Fassbinderei Engelbert Sampl, Am Dorfplatz 6, 5585 Unternberg, Tel. +43 (0)6474 6206-15 oder + 43 (0)676 3857155

Ein Adlerflaum als Erkennungszeichen

Was macht ein Sauschneider? Er stellt keine Couture für Ferkel her, sondern schneidet selbigen etwas ab. Nämlich das, was sie zu Ebern macht und dem Fleisch der erwachsenen Tiere einen strengen Geruch verleiht. Auch Stieren und Hengsten wurde so die Wildheit genommen, Sauen wurden sterilisiert, damit sie von der Weide im Wald keine unerwünschten Frischlinge mitbrachten.

Die Lungauer Sauschneider waren so etwas wie eine Institution, im ganzen habsburgischen Reich und in Teilen Deutschlands waren sie unterwegs, um das Einkommen der Bauernhöfe daheim aufzubessern. Damit sie sich nicht ins Gehege kamen, waren ihre Einsatzgebiete in „Gai“ unterteilt. Bevor sie ihren Beruf ausüben durften, mussten die Sauschneider eine Ausbildung und eine strenge theoretische und praktische Prüfung absolvieren. Als Erkennungszeichen trugen sie auf dem Hut einen Adlerflaum. Herr Johann Landschützer, vlg. Veitler aus St. Margarethen, hatte dieses ehrsame und wichtige Gewerbe nach allen Regeln der Kunst erlernt und jahrzehntelang ausgeübt.

Der Klang einer Landschaft -Lungauer Orgelbauwerkstatt

Die Musik liegt Orgelbaumeister Peter Maria Kraus wohl im Blut, denn er stammt aus einer alten, mit Franz Schubert verwandten Wiener Familie. Soviel musikalischer Adel verpflichtet und mit einem Organisten als Vater war der Weg zum Orgelbau wohl vorgezeichnet. Nach den Lehr- und Gesellenjahren erweiterte Herr Kraus seine handwerklichen Fähigkeiten im Orgel-, Gitarren- und Lautenbau um Studien am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Salzburg.

1991 gründete Peter Maria Kraus die Lungauer Orgelbauwerkstatt in Tamsweg. Für diesen Standort entschied er sich, weil in dieser Region langsam wachsende, hochwertige Hölzer und ein reicher Erfahrungsschatz in der Holzbearbeitung zu finden sind. Mit Leidenschaft hat er sich der Fortführung des regional typischen „Altösterreichischen“ Orgelbaues verschrieben und verwendet fast ausschließlich lokal verfügbare Hölzer.

Er entwickelte eine spezielle Methode zur Rettung von hölzernen Orgelbauteilen und restaurierte zum Beispiel die Orgel der Pfarrkirche von Wien-Grinzing, auf der schon Beethoven und Schubert musiziert hatten – womit sich der Kreis wieder schließt. Im Ladengeschäft neben der Werkstatt können Musikliebhaber Instrumente, allesamt handverlesene und geprüfte Einzelstücke, erwerben. Gelegentlich gibt Herr Kraus Orgel- oder Lautenkonzerte.

Lungauer Orgelbauwerkstatt, Peter Maria Kraus, Wölting 29, 5580 Tamsweg, Tel. +43 (0)6474/75 03 od. +43 (0)664/986 06 93, www.kraus.musikinstrumentenbau.com

Gehobelt, geschnitzt, gedrechselt – Wagnerei Lassacher

Wenn das Auto streikt, ist die nächste Werkstatt nicht weit, aber wohin wendet man sich, wenn an der Kutsche ein Rad ab ist? Dafür gibt es keine vorgefertigten Teile und keine Maschinen, hier kann nur das handwerkliche Geschick eines Wagners wie Christian Lassacher helfen. Passgenau baut er nach und ein, was an „Fahrgestell oder Chassis“ zu Bruch gegangen ist.

Der nachwachsende, herrlich duftende Werkstoff Holz hat es Christian Lassacher angetan: Alles nur Erdenkliche aus Holz – gedrechselte Schalen, Musikinstrumente, landwirtschaftliche Geräte, geschnitzte Figuren und vieles mehr – sind in seinen Geschäftsräumen in Tamsweg zu finden. Wenn es etwas Besonderes sein soll, geht der Meister zur Hobel- oder Drechselbank und fertigt Einzelstücke nach den Vorstellungen seiner Kunden. Auch die Restauration von Holzartikeln und die Reparatur von Musikinstrumenten kann man ihm und seinem Team anvertrauen.

Klangvoll Musik und Holz, Christian Lassacher, O.Postgasse 17, 5580 Tamsweg,
Telefon + 43 (0) 6474/2343, E-Mail christian.lassacher@sbg.at, www.musik-holz.at

Weitere Informationen: Ferienregion Lungau/Salzburger Lungau, Rotkreuzgasse 100, A-5582 St. Michael im Lungau, Tel: 0043 (0)6477 8988, Fax: 0043 (0)6477 8988-20, www.lungau.at , info@lungau.at

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